Die Weltverbesserer von kinoX.to
Ich gebe es zu. Manchmal, in einem Moment der moralischen Unsicherheit, überfällt mich die Lust es einfach zu tun. Einfach drauf zu gehen und stundenlang nicht mehr davon los zu kommen. Ich gestehe es. Ich habe meinen Unterhaltungsdrang auch schon auf kino.to befriedigt. Jaja, ich weiss, ein ganz schön schwaches Outing. Denn weder ist die Benutzung in der Schweiz illegal, noch ist sie die Ausnahme. Im Gegenteil. Man kann durchaus sagen, dass kino.to das kostenlose Film- und Serienangebot in die breite Masse getragen hat. Es war nun jedem, der einen Computer aufstarten konnte, möglich am riesigen Pool an Raubkopien teilzuhaben. Die Suche nach Torrents, Programmen und den richtigen Plätzen im Internet hatte sich erübrigt. Auch die technisch Blinden fanden den Play-Button. Und es scheint, als liesse sich „das Volk“ diese Errungenschaft nicht mehr nehmen.
Es dauerte nur ein paar Wochen, nachdem die Betreiber von kino.to festgenommen und die Domain gesperrt wurde, bis das Portal unter fast gleichem Namen wieder zu finden war (auf Substitute musste selbstverständlich keine Minute verzichtet werden). KinoX.to nennen sie sich nun und sind anscheinend überzeugt davon, auf der (moralisch) richtigen Seite zu stehen. Liest man den Begrüssungstext der neuen Page, hat man fast das Gefühl, man müsse sich dort etwas anschauen, um die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen. Von überteuerten Kinovorstellungen, verspäteten DVD-Releases und vor allem dem übermächtigen Wort Freiheit ist die Rede. Diese Utopie jagenden, selbstlosen Rebellen. Von den Millionen an Werbegeldern, die über die Jahre durch die Website angespült wurden, steht selbstverständlich kein Wort. Aber hinter (fast) jeder radikalen Position steht zumindest ein Problemkernchen. Ja, Kinobesuche schlagen auf den Geldbeutel und Serien sind teilweise wirklich wahnwitzig teuer. Deshalb kann ich auch jeden verstehen, der ab und zu im Internet nach Alternativen sucht. Weil man sich den Film sonst sowieso nicht gekauft hätte oder kein Geld hat. Oder nicht sicher war, ob sich ein Kauf gelohnt hätte. Das ist nicht weiter schlimm, das tut jeder.
Womit ich mich aber schwer tue, ist diese Position: „Warum sollte ich mir sowas noch kaufen, wenn es doch im Internet gratis zu Verfügung steht.“ Wer so denkt, müsste letztlich ja für kaum mehr etwas bezahlen. Es gibt immer einen kostenlosen Weg, auch wenn dieser nicht immer legal sein mag. Wenn irgendein Punkt in dieser ganzen Diskussion ein moralischer Fauxpas ist, dann wahrscheinlich dieses Argument.
Ganz so schlimm, wie gewisse Leute schreien, ist es dann aber doch nicht. Die Industrie setzt immer noch Milliarden um. Die breite Masse wird sich in Zukunft nicht einfach gegen die Bezahlung von Qualität sträuben. Es gilt also gute Qualität abzuliefern und mit der Situation am besten umzugehen. Denn wenn der Fall kino.to etwas gezeigt hat, dann dass der Kampf gegen das Angebot vielleicht nicht der erfolgreichste Weg ist, das Problem zu lösen.

Nur mal so am Rande: http://www.heise.de/tp/blogs/6/150152
Gruss